Wassenrock Open Air 2026 – Tag 1
Wassenberg ist 363 Tage im Jahr ein behaglicher Luftkurort mit historischem Stadtkern an der holländischen Grenze, an dessen Horizont sich eine Burganlage auf einer Anhöhe erhebt.
An den anderen 2 Tagen des Jahres findet hier ein Szenefestival par excellence statt. In diesem Jahr ging das WASSENROCK OPEN AIR in die 3. Auflage und bot am 03. Und 04. September 2026 eine bunte Mischung aus Rock- und Metal-Acts für die etwas unter 2000 anwesenden Besucher. Während, laut Distorted Heaven Bassist Matt Spade, die Burg definitiv auch ein Besuch wert sei, so ließ das Line-up des Festivals es allerdings einfach nicht zu, sich allzu lange vom Infield zu entfernen. Dank des vielfältigen Angebots an Speis und Trank war dies auch gar nicht notwendig. Während die 2000 Fans friedlich und gut gelaunt gemeinsam miteinander die Vielfalt der Rockszene feierten, merkte man, wie viel Herzblut in jeder Ecke dieses Festivals steckt und das hier die Liebe zur Musik im Vordergrund steht. Hier trifft man verschiedene Bands nach ihrem Auftritt noch entspannt im Publikum oder zur Autogrammstunde am Merch an. Auch die Nähe zur holländischen Grenze macht sich positiv bemerkbar, kann man doch zahlreiche kulinarische Spezialitäten unserer Nachbarn hier zu vernünftigen Preisen kosten. Generell waren die Preise für Getränke auch absolut in Ordnung und dank eines gut organisierten Pfandsystems, sowie mehreren Getränkeständen auf dem Infield kam es kaum zu Wartezeiten.
Nach der offiziellen Eröffnung durch den Bürgermeister, der legere mit Jeans und Wassenrock Crew Shirt gemeinsam mit Initiator Reiner Hambücker auf der Bühne stand, startete die Kombo ANTASYA auf der Bühne. Die Band hatte erst im Juni 2026 ihre, 4 Tracks umfassende, erste EP veröffentlicht. Die Nervosität war dem Sextett anzumerken, aber nach den ersten Tönen wurde die Band etwas lockerer und zeigte Spielfreude. Auch wenn bei weitem nicht alle Töne saßen, unterhielt Frontfrau Patty Simons das Publikum mit sphärischen Tanzeinlagen während der Songs, blieb jedoch fest an ihrem Platz hinter dem Mikrofon verwurzelt. Etwas mehr Bewegung auf die Bühne brachte da Gitarrist Oliver Leisten. Dennoch konnte die Performance nicht gänzlich beim Publikum zünden, sodass viele Gäste über das gesamte Infield verteilt blieben.
Gegenteilig verhielt es sich, als mit DISTORTED HEAVEN die Band rund um Festival Veranstalter Rainer Hambücker höchstpersönlich die Bühne enterte. Entsprechend laut wurde das Quartett vom heimischen Publikum gefeiert. Und die ließen es sich auch nicht nehmen, den ersten Ruderdurchgang des Wochenendes zu initiieren. Ein eigenes Festival im Heimatort der Band – natürlich hatte Distorted Heaven da nicht nur eine große Fanbase am Start, sondern auch die ältesten Fans des gesamten Festivals: Mama und Schwiegermama Nighthawk höchstpersönlich ließen es sich nicht nehmen, trotz schlechten Wetters und Rollator auf dem matschigen Feld mit Pommesgabel Zeichen den Auftritt zu begleiten. Besonders die Coverversion des Sisters of Mercy Klassikers „Temple Of Love“ feierte das Publikum und ließ den Auftritt zu einem ersten von vielen Highlights des Wochenendes werden. Zu „Rockin in The Dangerzone“ holten sich Distorted Heaven gesangliche Unterstützung von System Defense Frontman Tatze auf die Bühne, der vor zahlreichen Zeugen seinen Auftritt auf dem nächstjährigen Wassenrock Open Air anbot. Ob das mit dieser Initiativbewerbung geklappt hat, werden wir gewiss bald in Erfahrung bringen können.
Apropos bald: Im Dezember gehen Distorted Heaven als Support mit Vlad In Tears auf Tournee – falls ihr dafür noch keine Tickets habt, jetzt ist der beste Zeitpunkt dafür, dies zu ändern.
Mit AGAINST EVIL wurde es am Freitag erstmalig International auf dem Wassenrock III. Die indische Heavy Metal Band tourt aktuell durch Deutschland und legte einen Zwischenstopp auf dem Festival ein. Während die Band mit harten Gitarrenriffs und kompromisslosem, klassischen Heavy Metal ein Feuer auf der Bühne entfachte, setzte der Wettergott alles gegen das „Hellfire“ der Band. Aber strömender Regen hält den Wassenrocker nicht davon ab, gute Musik vor der Bühne zu feiern und dem Regengott mit der Pommesgabel und Headbangen in den Allerwertesten zu treten. Auch die Band trotzte der rutschigen Bühne und spielte eine Mischung aus ihren bisherigen Veröffentlichungen, mit denen sie sich in zahlreiche neue Fanherzen rockten. Eine neue Tour ist, mitsamt neuem Material, wohl für kommendes Jahr geplant. Wer die Chance hat, sollte sich einen Auftritt dieser Band nicht entgehen lassen.
SOULBOUND ist ja längst kein Geheimtipp mehr, wenn es um eine starke Bühnenpräsenz, mitreißende Show und tiefgründige Inhalte, die in Metalklänge verpackt werden, geht. Und genau das bewies die Bielefelder Band auf dem Wassenrock erneut. Mit einer Mischung aus neuen Songs ihres aktuellen Albums „Syn“ und vergangenen Releases, füllte sich das Publikum zusehends und feierte die Band ausgelassen. Auch wenn hier und da ernstere Themen angesprochen wurden, so ließ das Publikum nicht zu, dass die Stimmung dadurch beeinträchtigt wurde. Auch einige Tonprobleme, durch zu viel Nässe in der Technik, überspielten Soulbound charmant und routiniert. Während es sich Gitarrist Felix nicht nehmen ließ, die Soundanlage zu erklimmen, sorgte Sänger Johnny dank des rutschigen Bühnenbodens für den ein oder anderen unfreiwilligen Slapstick Moment.
Wer dieses Highlight auf dem Wassenrock verpasst hat, hat die Möglichkeit, sich im November höchstpersönlich von den Qualitäten der Band zu überzeugen, wenn sich Soulbound gemeinsam mit Hell Boulevard auf Co-Headliner Tournee durch die Republik spielen.
MOTOR JESUS hatten erst im Juli ihr neues Album „Streets Of Fire“ veröffentlicht, von denen auf dem Wassenrock auch einige Songs zu hören waren. Die Heavy Rocker aus Mönchengladbach setzen auf Authentizität und eine ehrliche, geradlinige Bühnenshow, die mit einigen Feuereffekten gespickt war. Sänger Chris Birx leitete durch die rockige Show, die ein Highlight nach dem anderen abfeuerte und vom Publikum frenetisch gefeiert wurde. Sie Bühnenaufbauten rundeten die vollgasbeladene Performance der Band optisch ab.
Als Headliner des Freitags hatten sich RAGE angekündigt. Doch dank eines kurzfristigen, krankheitsbedingten Ausfalls (Gute Besserung an dieser Stelle!), sprangen kurzerhand MYSTIC PROPHECY als ein und sorgten für einen ebenbürtigen Auftritt. Mit Power Metal Songs wie „Metal Devision“ bewies die Band rund um Frontmann Roberto Dimitri Liapakis, warum sie zu recht seit mehr als 2 Jahrzehnten zu den Top Metal Acts aus Deutschland gehören. Die Band feuerte eine energiegeladene Show ab und legte eine Spielfreude an den Tag – oder eher die hereinbrechende Nacht, von der sich das Publikum nur zu gern anstecken ließ. Liapakis telefonierte noch während der Show mit RAGE und übermittelte lautstarken Genesungsjubel, sodass die Band direkt einen Nachholtermin für das kommende Wassenrock Open Air zusagte. Mit wehenden Mähnen und natürlich auch Songs des aktuellen Albums „Hellriot“ im Repertoire entlockte das Quartett dem Publikum noch einmal alle Kraftreserven des Tages zum gemeinsamen „Wassenrock! Wassenrock!“ skandieren.
Zum Bericht vom Samstag geht’s hier.
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