Festivalbericht

Castle Rock Festival 2026 – Tag 2

Pünktlich um 11:30 Uhr öffneten sich die Burgtore an diesem Samstag ein allerletztes Mal. Mit viel Wehmut, aber auch dem Willen den letzten Festival Tag noch einmal richtig zu genießen, waren die ersten Fans bereits früh auf den Beinen. 

Das Neue Deutsche Härte-Trio EIGENSINN eröffnete den letzten Tag des Castle Rock Festivals. Der bis dato eher schwach besiedelte Burghof schien die Band nicht davon abzuhalten, das Publikum zu animieren. Hier wurde (Spiel)Geld in die Menge geworfen, ein eigens angefertigter Flammenwerfer gezündet und zu „Son Of A Bitch“ eine Peitsche von Frontfrau Nemesis geschwungen. Mit kritischen Texten, in Uniform oder Flage schwenkend blieb dieser Auftritt auf jeden Fall im Gedächtnis. 

WISBORG hüllten anschließend den Burghof ein in ein Gewand aus düsteren Gothic Klängen, Melancholie und rockige Melodien mit einem Hauch Sehnsucht. 
Songs wie „Kreatur der Nacht“ oder „Totentanz“ schienen mit den gezogenen Vocals von Konstantin Michaely dem strahlenden Sonnenschein entgegen zu stehen, zündeten aber bei den Fans der Band. Während Niko Varaza kurzerhand den Boxenturm unsicher machte und die Traversen erklomm, zogen Drummer Luc LaCroix und Gitarrist Peter Thiele headbangend die Blicke auf sich. Eine Coverversion von Placebos „The Bitter End“ und der Klassiker „Perfume & Cigarrets“ rundeten den Auftritt ab. 

HEIMATAERDE läuteten erneut einen Stilwechsel auf der Bühne des, mittlerweile gut gefüllten, Schlosshofs ein. Die einzigartige Kombination der Band aus Templergewändern, die auch in einer König-Artus-Saga entsprungn sein könnten, Elektronischem Sound in Symbiose mit Neuer Deutscher Härte und thematisch mittelalterlich geprägten Lyrics sorgen an diesem Samstag für große Begeisterung im Publikum. 
Mit neuem Material, wie „Todeswille“ im Gepäck, kamen aber auch bekannte Songs, wie „König von Thule“ oder „Heute ist ein guter Tag“ nicht zu kurz. Ein Highlight des Sets war eindeutig „Hick Hack Hackebeil“, bei dem ein Mitarbeiter der Stadt Mülheim Bekanntschaft mit dem besungenen Werkzeug schließen durfte (unter Einsatz von Kunstblut, unseren Kenntnissen nach geht es dem Herrn gut.) 
Auch nach längerer Bühnenabstinenz konnte Heimataerde das Publikum abholen und zum feiern bringen. 

SAGENBRINGER entführten das Publikum in eine Fantasy Welt voller (Met)Drachen, Trolle, Halblinge und Reiter aus Rohan. 
Die Sylter PaganFolk Band verstehen es, auf der Bühne sowohl textlich, als auch bildlich Geschichten zu erzählen und präsentierten mit einiger Spielfreude Songs wie „Valkyrensturm“ oder „Berserker“. Auch wenn es durch den Schädel des zweiten Kostüm des Sängers Haldruhir nicht immer einfach war, den Lyrics zu folgen, konnte die Band mit ihrer Bühnenshow überzeugen. Die Band spielte auch eine Kostprobe aus ihrem kommenden Werk „Sagendarium“, dass im September veröffentlicht wird und in die Welt von J.R.R. Tolkien eintaucht. Und in der Zwischenzeit sollte man die Wichtigkeit von Metdrachen nicht unterschätzen, von der die Band bestimmt auch auf ihrer kommenden Tour 2027 erzählen wird. 

Mit HAGGEFUGG betrat eine Spielmannsgruppe die Bühne, die für spaßigen Mittelalter Rock steht und sich selbst nicht allzu ernst nimmt. Im handumdrehen hatte die Band um Sänger Gregor Krähenkehle das Publikum für sich gewonnen und brachten mit Songs wie „Mit Sack und Pack“ oder „Hexenkessel“ Feierlaune unter die Meute. Ob der Absatz des Castle Rock Mets beim „Metgefühl“ in die Höhe schnellte, ist leider nicht überliefert. 

Anschließend setzten ALL FOR METAL auf harte Sounds und eine durchchoreographierte Show. Nebst den luftigen Kostümen, konnte die Band aber vor allem mit dem Gesangsduo  Tetzel in den tiefen Lagen und Neuzugang Amerigo Vitiello in den hohen Lagen und Screams punkten. Mit eingängigen Rythmen und Texten wie „All For Metal“, „Fury Of The Gods“ oder „Born In Valhalla“ konnte die Band schnell überzeugen und zum Mitsingen animieren.  

Wenn eine Band auf der letzten Castle Rock Ausgabe nicht fehlen darf, ist es CREMATORY. Bereits 5 Mal stand die Band auf der Bühne in Broich – und in den Jahren dazwischen war Sänger Felix Stass regelmäßiger Gast im Publikum, sodass er – nach eigener Aussage – mittlerweile jedem im Publikum persönlich kennt. 
Mit ihrer Show bewiesen die Goth-Metaller, dass sie zurecht so häufig auf der Bühne standen. Gesang gepaart mit Growls, melodischem Keys und kantigem Gitarrensound ließ die Stimmung im Publikum bei Songs wie „Tick Tack“, „Rise And Fall“ oder „Tears Of Time“ hochkochen. Auch neues Material war mit „Blind“ oder „Born“ vertreten, dennoch hatte man eher das Gefühl, dass die Band ein besonderes Best-Of Set spielte.  

Bevor der Headliner die Bühne betrat, wandte sich Veranstalter Michael Bohnes ein letztes Mal an das Publikum. In einer rührenden Ansprache stellte er jedes einzelne Teammitglied seiner Castle Rock Crew vor, die ihn über Jahre hinweg begleitete und das Festival zu dem machten, was es war: Ein familäres, herzliches Treffen, zu dem man gerne zurückkehrt. 
Das merkte man nicht nur im Umgang mit seiner Crew, sondern auch an den Dankesbannern, die gehisst wurden, den Sprechchören des Publikums und den Geschenken, die überreicht wurden. Nebst einer Foto-Chronik mitsamt zahlreicher Grußbotschaften, gab es vom Headliner im Anschluss an die Show noch ein weiteres, besonderes Erinnerungsstück.

Der besagte Headliner war niemand anderes als LORD OF THE LOST, die ebenfalls eine lange Geschichte mit dem Festival verbindet. 2011 trat die Band rund um Frontmann Chris Harms das erste Mal in Broich auf und kehrten 5 Mal zurück, mal als Band, mal als Ensemble. Nun, als weltweit bekannte Band, ließen sie es sich nehmen, dieses Festival gebührend zu beschließen. Mit neuem Material aus ihrer Opus Noir Trilogie, wie „Bazaar Bizarre“ oder „Light Can Only Shine In The Darkness“, zu dem der Burghof in ein Lichtermeer getaucht wurde, aber auch zahlreichen Highlights der vergangenen Jahre spielten Lord Of The Lost ein rundes und zeitgleich erinnerungswürfiges Set. Hatten nur wenige Tage zuvor Pi Stoffers und Class Greynade die Band verlassen, so ließ der Sound jedoch keine Lücken vermuten. Mit Interimsbassist Dom Grey, der zuvor schon eingesprungen war, an seiner Seite griff auch Chris Harms zwischenzeitlich selbst zur Gitarre. Songs wie „Drag Me To Hell“ oder „Prison“ animierten das Publikum dazu, noch einmal alles zu geben, ehe Chris Harms erneut Michael Bohnes auf die Bühne bat, um ihn einen eigens angefertigten No.1 Award ihres Albums „Blood & Glitter“ zu überreichen, da er die Band nicht nur jahrelang schon als kleine Band unterstützt, sondern durch die Auftritte auch den späteren Erfolg ermöglicht hatte. 
Natürlich gab es als Finale, nebst den Cover Versionen von „Cha Cha Cha“ und „Schrei Nach Liebe“ den Titelsong des No. 1 Albums noch zu hören.

Damit endete nicht nur das 24. Castle Rock Festival, sondern auch die gesamte Ära der Veranstaltung. NRW verliert dadurch ein Stück Heimat für die schwarze Musikszene, die beständig, familiär und von einer besonderen Atmosphäre geprägt war. 
Dennoch wünschen wir natürlich Michael Bohnes einen verdienten, langen und gesunden Ruhestand und alles Gute für die neue Lebensphase. 

Weitere Bilder der Auftritte findet ihr auf Instagram oder Facebook!

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