Kill The Light Festival 2026
Ilsenburg im Harz – die Kleinstadt an der Ilse ist nicht nur ein staatlich anerkannter Luftkurort und Ziel für Menschen, die Stempelstellen für die Harzer Wandernadel aufsuchen. Seit dem 18. April 2026 zählt auch Austragungsort eines neuen Szene Festivals zu den Highlights des Ortes: Das „KILL THE LIGHT“ Festival öffnete zur allerersten Ausgabe die Tore der ehemaligen Fürst-Stolberg-Hütte.
Inmitten der historischen Kulisse einer ehemaligen Eisenhütte, die von zahlreichen Öfen und Gusswerkzeugen gesäumt war, gaben sich 5 bekannte Szenebands die Ehre, dieses neue Festival zu eröffnen. War zuvor bereits in den Social Media Beiträgen des Festivals das Herzblut zu erkennen, dass in dieses Format gesteckt wurde, so konnte man – auch wenn in einigen wenigen Bereichen noch Verbesserungspotential steckt – die Leidenschaft für die Szene auch vor Ort spüren.
Während der zweistündigen Einlasszeit präsentierten die Veranstalter ein buntes Rahmenprogramm, bei dem für jeden etwas geboten wurde: Neben Tattoo oder Piercingmöglichkeiten und einer Lesung aus „Alice im verwundeten Land“ vom Autoren Robert Wolfgang Segel inklusive anschließender Diskussionsrunde über Politik und Gesellschaft, konnte man am Merchandise Stand selbst Hand anlegen und seinen eigenen Jutebeutel im Siebdruckverfahren herstellen. Mit einer Führung durch die Hütte zu den verschiedenen Hochöfen oder einem Streifzug durch den Vintage Flohmarkt mit Schätzen aus vergangenen Epochen ließ sich die Wartezeit für die knapp 1000 angereisten Freunde der dunklen Musik bis zum Opener gut überbrücken.
Pünktlich um 17 Uhr betraten WISBORG die Bühne. Im Gepäck hatten sie ihr neues Album „Phantomschmerz“. Auch wenn an einigen Stellen der Sound noch etwas störrisch war, so ließ sich das Quartett davon nicht beirren. Zugegeben: die Halle machte es den Veranstaltern aufgrund der schlauchartigen Bauweise auch nicht gerade einfach, für konstant hochwertigen Sound zu sorgen. Die Band rund um Frontmann Konstantin Michaely heizte dem Publikum dennoch kontinuierlich ein. Während Peter Thiele, der nach Ausstieg von Gründungsmitglied Nikolas Eckstein an die Leadgitarre gewechselt hat, mit seiner Performance die Blicke auf sich zog, sprang Neuzugang Niko Varaza immer wieder zu den Barrieren, um dort nah am Publikum zu spielen. Auch Michaely sang ebenfalls regelmäßig vor der feiernden Menge, während Luc LaCroix an den Drums eine Headbang Performance hinlegte. Neben den aktuellen Single Auskopplungen „Kreatur der Nacht“, „Schmerz vereint“ und dem Fanliebling „Melancholia“ hatte die Kombo auch ältere Highlights im Gepäck und rührten so hervorragend die Werbetrommel für ihre kommende Headliner Tour im November.
Als im Anschluss das britische Synth-Wave Duo ZETRA ihren einzigartigen und unverwechselbaren Sound präsentierte, wurde es etwas leerer vor der Bühne. Mit bleich geschminkten Gesichtern und schwarz umrandeten Augen spielten die beiden Musiker zahlreiche Stücke ihres Debutalbums. Die energiegeladene und barfüßige Performance des Sängers und Gitarristen Adam Saunderson, sowie die sphärisch-anmutenden Tänze von Jordan Page an den Synthesizern luden dazu ein, sich vor der Bühne zu den Klängen zu wiegen. Mit „Sleepbringer“ oder „Care“ wurde es auch zwischendurch etwas rockiger, während „From Without“ oder „The Blind Guest“ eher zum Tanzen einluden. Dennoch nutzten zahlreiche Besucher die Chance, sich während der Performance von Zetra, die bereits als Opener für Ville Valo auf den großen Bühnen Europas spielten, bei einem der beiden Foodtrucks im Außenbereich zu versorgen. Bei knapp 1000 Besuchern blieben so recht lange Wartezeiten von über 40 Minuten für einen Burger, Pommes oder vegane Speisen leider nicht aus. Hier rüstet das Festival hoffentlich für zukünftige Veranstaltungen noch kräftig auf und bietet mehr Catering Stände an.
Gestärkt enterten die Massen passend zu Beginn der Show von ZERAPHINE erneut die Halle. Die Band rund um Sänger Sven Friedrich und Gitarrist Norman Selbig verstand es außerordentlich gut, das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Mit einer Setliste, die das musikalische Schaffen von Zeraphine gebündelt widerspiegelte, lässt sich das Quintett von der singenden und feiernden Menge durch ihren Auftritt tragen. Es wurde lautstark mitgesunden. Es wurde getanzt. Es wurde gejubelt. Ganz gleich ob zum The Killers Cover „Mr. Brightsight“, „Ohne Doch“ oder „Be My Rain“ – das Publikum ist textsicher. Die Mischung aus englischsprachigen und deutschen Songs in Symbiose mit der charismatischen Stimme von Sven Friedrich und rockigen Klängen von Mangel Sänger an der Gitarre, Michael Nepp am Bass und Marcellus Puhlemann an den Drums hinterlässt zahlreiche Gänsehaut Momente des Abends, an die man sich gern zurückerinnert.
Mit LACRIMAS PROFUNDERE stand ein Garant für handfesten Dark Rock und energiegeladene Stimmung vor der Bühne im Line-up.
Während es Sänger Julian Larre immer wieder ins Publikum oder hoch hinaus auf die Traversen zog – und das rasante Tempo seiner Performance nicht eine Sekunde nachließ – heizten Dominik Scholz an den Drums, Ilker Ersin am Bass und Gründungsmitglied Oliver Nikolas Schmid an der Gitarre die Stimmung von der Bühne aus an und animieren das Publikum überaus erfolgreich zum Mitmachen. Neben Highlights wie „Celestite Woman“ „Dead To Me“ oder „A Cloak Woven Of Stars“ spielte die Band mit „Nevermore“ auch einen bisher unveröffentlichten Song vom kommenden Album und gab einen Ausblick auf die kommende Veröffentlichung. Larre animiert das Publikum wie kein zweiter dazu, mit ihm die Musik zu feiern und selbst nachdem die letzten Noten von „Father Of Fate“ (und „A Million Ways To Die In The West“) verklungen sind, spürt man immer noch die Energie in der Halle, die diese Band hinterlassen hat. Kurzum: Diese Show war ein Erlebnis, dass man sich nicht entgehen lassen sollte – wer die Chance hat, sollte sich eine der kommenden Headliner Shows ansehen.
The 69 Eyes gaben sich als Headliner des Festivals die Ehre. Unter großem Jubel betraten Timo-Timo an der Rhythmusgitarre, Archzie am Bass, Bazie an der Lead Gitarre und Jussi 69 an den Drums die Bühne. Ohrenbetäubend wurde der Jubel schließlich, als Jyrki 69 zu den Klängen des Klassikers „Devils“ mit seinem sonoren Bariton das Set gesanglich eröffnete. Neben Goth’N’Roll Highlights der vergangenen Jahrzehnte, wie „Dance D‘Amour“, „The Chair“ und „Gothic Girl“, sowie der Gothic Hymne „Wasting The Dawn“, gab es mit „Drive“ und der aktuellen Singleauskopplung „I Survive“ auch neueres Material auf die Ohren. Während Jyrki lässig die Übergänge moderierte und zu „Brandon Lee“ einen Kniefall einlegt, rockt Jussi gewohnt energisch an den Drums. Auch Archzie animiert regelmäßig das Publikum zum Mitmachen, während Timo-Timo eine runde Performance mit der Gitarre aufs Parkett zaubert. Nach über 30 Jahren auf den Bühnen weltweit wissen die Helsinki Vampires, wie man das Publikum in ihren Bann zieht – und der Abend in Ilsenburg sollte da keine Ausnahme bilden. Auch wenn die Setlist um mehrere Songs gekürzt wurde und die Show früher beendet wurde als angekündigt, steht zum Finale „Lost Boys“ niemand in der gesamten Halle still, ehe das Publikum in die Finsternis der Nacht entlassen wird. Denn eines ist klar: Das Kill The Light machte seinem Namen alle Ehre. Es bleibt zu hoffen, dass es nächstes Jahr eine neue Ausgabe gibt.
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